Lia (18). Im 19. Jahrhundert begann eine Zeit des Staunens und der großen Entdeckungen. Menschen reisten in ferne Länder, sammelten Pflanzen, Tiere und neue Ideen und begannen, die Welt und das Leben anders zu verstehen. In diese aufregende Zeit fiel das Leben von Charles Darwin (1809–1882). Darwin war Naturforscher und Begründer der Evolutionstheorie. Seine Beobachtungen auf der berühmten Weltreise mit dem Schiff Beagle führten ihn zu der Erkenntnis, dass Arten nicht unveränderlich sind, sondern sich über die Zeit entwickeln. Dabei stellte er sich gegen die damals vorherrschenden Ansichten der Gesellschaft, eine Haltung, die Mut und Beharrlichkeit erforderte. In diesem Interview erzählt Darwin, wie er vom festen Glauben an die Unveränderlichkeit der Arten zu einem der größten naturwissenschaftlichen Entdeckungen der Geschichte gelangte, ein Weg voller Zweifel, Beobachtung und unerschütterlicher Neugier.
Lia: Kommen wir nun zu einem Gast, den viele von euch bestimmt schon aus dem Biologieunterricht kennen: Charles Darwin. Sie sind Naturforscher, Begründer der Evolutionstheorie und schrieben mehrere Werke und unternahmen mehrere Weltreisen, darunter auch die auf der Beagle. Herr Darwin, Sie waren auf einer Weltreise mit dem Schiff „Beagle.“ Doch zuvor waren Sie der festen Überzeugung, dass die Tiere einzeln geschaffen wurden, nicht wahr? Es war doch bestimmt ein langer Weg, bis Zweifel aufkamen.
Darwin: Es war auf jeden Fall ein langer Weg. Schließlich glaubten viele Forscher, mich eingeschlossen, dass die Spezies unabhängig voneinander erschaffen worden wären. Dies war ein Irrtum, denn ich nur langsam begriff und erst als ich in Südamerika auf die Beagle kam, hegte ich langsam Zweifel.
Lia: Wie genau kamen Ihnen denn die Zweifel? Es ist bestimmt schwer, wenn sich das komplette Weltbild auf einmal ändert, weil man beginnt Sachen zu verstehen und zu hinterfragen, die vorher nie da waren.
Darwin: Natürlich ist es nie leicht das eigen erschaffene Weltbild, mit dem man aufgewachsen ist und Generationen vor einem, hinter sich zu lassen. Doch gerade deswegen sollte man das Leben immer hinterfragen und versuchen die Welt zu verstehen, weil nur so kann man sich weiterentwickeln und Neues entdecken.
Lia: In Ihrem Buch „Die Entstehung der Arten“ schrieben Sie und ich zitiere: „Ich bin vollkommen davon überzeugt, dass die Arten nicht unveränderlich sind […]“[1] weiter erklärten Sie, dass Sie glauben, jede Art würde von einer ähnlichen, meist verstorbenen Art, abstammen. Wie genau haben Sie das herausgefunden?
Darwin: Herausgefunden finde ich ist das falsche Wort. Jeder hätte das tun können, was ich tat, aber keiner traute sich. Aus Angst als verrückt zu gelten. Sie müssen verstehen, dass meine Theorie damals eine komplett andere war, als die der Gesellschaft. Aber herausgefunden habe ich nichts, es war schließlich schon die ganze Zeit so, selbst vor unserer Zeit. Ich habe einfach nur beobachtet, dokumentiert und noch mehr beobachtet. Es war eine mühselige Arbeit, für die viele mich verurteilt haben, aber es war mir egal.
Lia: Eine abschließende Frage noch. Sie sagen, die meisten hatten Angst als verrückt zu gelten, warum hatten Sie keine Angst? Warum haben Sie dennoch weiter geforscht, obwohl Sie wussten, dass die Gesellschaft und ihre Kollegen anderer Meinung waren?
Herr Darwin: Das ist die Sache mit uns Wissenschaftlern, unser Beruf ist einsam, wir sind es gewohnt, als verrückt bezeichnet zu werden. Wir testen die Grenzen des Möglichen aus. Wir arbeiten ständig allein, jahrelang an nur einem Versuch, in der Hoffnung, der Welt etwas mehr Klarheit zu geben. Aber meistens scheitern wir, nur dürfen wir nicht aufgeben, denn wenn wir das tun, haben wir verloren. Unser Wissensdurst ist unerlässlich. Wir können nicht genug Wissen und wenn uns etwas auffällt, was auffällig ist, lässt es uns das nicht mehr los. Wir träumen davon. Unser Geist dreht sich ständig um das Was-Wäre-Wenn. Und erst wenn wir dieser Frage nachgehen, erst dann, können wir wieder entspannt leben. Und da ist es egal, ob man uns verrückt nennt.
Lia: Danke für das Interview.
Herr Darwin: Danke für das Angebot.
[1] Darwin, Charles: Die Abstammung des Menschen. Übersetzt von Heinrich Schmidt. Kröner Verlag, Stuttgart 2002. S. 260 ff.

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