Seit dem 1. März hat die GEsamtschule Waltrop einen neuen stellvertretenden Schulleiter: Wolfram Wagener, Jahrgang 1974. Im gemeinsamen Gespräch mit ihm und Schulleiterin Astrid Fuhrmann wurde schnell deutlich, dass er ein Pädagoge ist, der Klarheit, Erfahrung und menschliche Zugewandtheit verbindet. Sein Auftreten wirkt ruhig, überlegt und zugleich entschieden – Eigenschaften, die in einer Schule im personellen Übergang von besonderem Wert sein können.
„Wenn ich etwas anfange, ziehe ich es auch durch.“ – Dieser Satz, den Wagener im Gespräch formulierte, blieb hängen. Er definiert sich selbst nicht über Rollen oder Funktionen, sondern über Haltung. Und er lebt diesen Anspruch bereits: Seit dem 1. März steht er in Waltrop – und gleichzeitig in Castrop‑Rauxel, wo er die auslaufende Sekundarschule Süd bis zum Ende des Schuljahres führt, in voller Verantwortung. Zwei Aufgaben parallel, nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Grundsatz: Er beendet, was er begonnen hat. Seine Verlässlichkeit wirkt nicht demonstrativ, sondern selbstverständlich.

Ein breites pädagogisches Fundament – Im Gespräch zeichnete sich ein Berufsweg ab, der ungewöhnlich vielseitig ist: Wagener hat an unterschiedlichen Schulformen gearbeitet – Hauptschule, Realschule und Sekundarschule. Diese Vielfalt hat ihn geprägt, nicht überlastet. Er spricht sachlich darüber, wie unterschiedlich Schülergruppen ticken, welche Rahmenbedingungen Schulen beeinflussen und wie sehr pädagogisches Handeln von Strukturen getragen aber auch behindert wird. Mehrere Jahre war er zudem als Fach- und Hauptseminarleiter im »ZfsL Recklinghausen« tätig, wo er Lehramtsanwärterinnen und ‑anwärter begleitete. An dieser Tätigkeit schätzt er bis heute die „ehrliche Reflexion” zwischen Ausbildung und Praxis. Seine Fächerbreite – Musik, Chemie, dazu Qualifikationen in Mathematik und besonders intensive Erfahrungen in Geschichte und Sonderpädagogik – zeigt sich in seinem Blick: Er betrachtet Schule nicht fachspezifisch, sondern systemisch.
Von der Ostprignitz in den Pott – und bewusst geblieben – Wagener stammt aus der Ostprignitz und studierte in Potsdam Musik und Chemie. Als er 1998 sein »Erstes Staatsexamen« ablegte, gab es in Brandenburg nur wenige Referendariatsstellen. Er bewarb sich in NRW – und wurde sofort genommen. Im Gespräch erzählt er offen von seiner Herkunft und von Menschen, die ihn geprägt haben:
- … von seiner ersten Klassenlehrerin, die für ihn wegweisend wurde
- … vom Vater, der ihn am Wochenende mit dem Motorrad aus dem Musik‑Internat abholte
- … und von der Chemielehrerin, mit der »die Chemie« zunächst nicht stimmte – bis er ihr Quitten aus dem eigenen Garten schenkte, die sie mit Leidenschaft zu Marmelade einkochte – danach stimmte die Chemie
Solche Erzählungen wirken nicht nostalgisch, sondern zeigen, wie sehr Wagener daran glaubt, dass Beziehungen die Grundlage von Lernen sind. Heute lebt er in Recklinghausen. Seine Verbundenheit zur alten Heimat zeigt sich noch im Autokennzeichen – OPR (Ostprignitz) –, doch sein Lebensmittelpunkt ist längst hier.
Warum Waltrop? „Eine Entscheidung aus Überzeugung!” – Wagener hat sich nicht einfach auf eine frei gewordene Stelle beworben. Er wollte gezielt zur GEsamtschule Waltrop, die integriert statt selektiert. Er formulierte klar, dass er bewusst „raus aus dem dreigliedrigen System“ wollte, weil er über Jahre erlebt hat, wie frühzeitige Trennung Chancen einschränkt – besonders für Kinder, die zeitweise Umwege gehen müssen.
Die GEsamtschule Waltrop überzeugte ihn durch ihr integratives Konzept, ihre Innovationskraft, ihre verlässlichen Oberstufenstrukturen und den Eindruck einer Schule, die nicht »repariert«, sondern entwickelt. Dazu kommt die klare Teamstruktur, die laut Astrid Fuhrmann seit Jahren ein Grundpfeiler der Schulkultur ist. Eine Struktur, die Wagener sehr schätzt und die ihm den Einstieg erleichtert.

Führung im Duett – vorsichtig beobachtet, aber erkennbar stimmig – Nach zwei Wochen kann niemand beurteilen, wie sich Wagener im Kollegium einfügt – das wäre unredlich. Was sich aber im Gespräch klar zeigte, ist einestimmige berufliche Chemie zwischen ihm und Astrid Fuhrmann. Beide denken Schule als gemeinsamen Prozess, nicht als hierarchische Verwaltung. Beide betonen Teamarbeit, Struktur, Klarheit – und behalten dabei immer die Schülerinnen und Schüler im Blick. Gerade in einer Phase, in der sich die GEsamtschule Waltrop personell erneuert und viele erfahrene Kolleginnen und Kollegen in den kommenden Jahren ausscheiden, ist diese geteilte Haltung ein gutes Signal.
Ein Start, der durch Zuhören geprägt ist – Wagener beginnt seine Arbeit bewusst mit Wahrnehmen, Verständnis und Orientierung. Er kommt nicht mit fertigen Programmen, sondern mit einer klaren inneren Bereitschaft, Schule gemeinsam zu gestalten – und erst dann eigene Impulse zu setzen, wenn er die Menschen, Abläufe und Besonderheiten der GEsamtschule Waltrop wirklich kennt. Dieser Ansatz wirkt professionell, reflektiert und zugewandt.
Willkommen in Waltrop, Wolfram – »GEmeinsam ins Leben!«

