Zum Tod von Jürgen Habermas

GEflüster
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In Ge­den­ken an ei­nen gro­ßen Phi­lo­so­phen der Mo­der­ne.

Von Zoey (17), Vik­to­ria (17) & Ma­lin (17). Wie kön­nen Men­schen in ei­ner Ge­sell­schaft fair mit­ein­an­der dis­ku­tie­ren und zu ge­mein­sa­men Ent­schei­dun­gen kom­men? Mit ge­nau die­ser Fra­ge be­schäf­tig­te sich Jür­gen Ha­ber­mas, ei­ner der be­deu­tend­sten Phi­lo­so­phen des 20. und 21. Jahr­hun­derts. Sei­ne Über­le­gun­gen zu Öf­fent­lich­keit, De­mo­kra­tie und Ver­nunft be­ein­fluss­ten nicht nur die Phi­lo­so­phie, son­dern auch Po­li­tik und Ge­sell­schaft nach­hal­tig. Doch wer war er ei­gent­lich?

Jür­gen Ha­ber­mas wur­de am 18. Juni 1929 in Düs­sel­dorf ge­bo­ren und starb am 14. März 2026 in Starn­berg. Von klein auf hat­te er mit ei­ner an­ge­bo­re­nen Gau­men­spal­te zu kämp­fen, die ihn dazu brach­te, sich in­ten­siv mit dem The­ma sprach­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on aus­ein­an­der­zu­set­zen. Sei­ne Phi­lo­so­phie war ge­prägt von ei­ner tie­fen Aus­ein­an­der­set­zung mit den grund­le­gen­den Fra­gen des mensch­li­chen Da­seins.

Sein Va­ter trat der NSDAP bei, was die fa­mi­liä­re Si­tua­ti­on kom­pli­zier­te. In sei­ner Ju­gend wur­de Ha­ber­mas Mit­glied im Jung­volk und ar­bei­te­te ab 1943 als Sa­ni­tä­ter. Durch sei­ne Rol­le als Jung­volks­füh­rer konn­te er trotz der Al­ters­be­schrän­kun­gen wei­ter­hin ak­tiv blei­ben. 1945 soll­te er, ähn­lich wie sein Bru­der, zur Wehr­macht ein­ge­zo­gen wer­den. Statt­des­sen ver­steck­te er sich, bis die Ame­ri­ka­ner die Re­gi­on be­setz­ten. Nach dem Krieg mach­te er 1949 sein Ab­itur am Gym­na­si­um Molt­ke­stra­ße in Gum­mers­bach. Von 1949 bis 1954 stu­dier­te er an den Uni­ver­si­tä­ten Göt­tin­gen, Zü­rich und Bonn und be­fass­te sich mit The­men wie Phi­lo­so­phie, Ge­schich­te, Psy­cho­lo­gie, deut­scher Li­te­ra­tur und Öko­no­mie.

Sein er­stes öf­fent­li­ches Auf­se­hen er­reg­te er 1953 mit ei­ner Re­zen­si­on zu Heid­eg­gers »Ein­füh­rung in die Me­ta­phy­sik«, ver­öf­fent­licht in der Frank­fur­ter Zei­tung. Dies war der Start­schuss für vie­le wei­te­re Ver­öf­fent­li­chun­gen, wäh­rend er auch als frei­er Jour­na­list ar­bei­te­te. Am In­sti­tut für So­zi­al­for­schung in Frank­furt ver­fass­te er ein Werk, das viel Kri­tik ern­te­te, was ihn schließ­lich dazu brach­te, nach Mar­burg zu wech­seln, wo er wei­ter­hin zahl­rei­che Wer­ke ver­öf­fent­lich­te und an ver­schie­de­nen Pro­jek­ten ar­bei­te­te.

Eine sei­ner wich­tig­sten Theo­rien ist die »Theo­rie des kom­mu­ni­ka­ti­ven Han­delns«, in der Ha­ber­mas er­klärt, dass Ver­stän­di­gung durch ra­tio­na­le Ge­sprä­che die Grund­la­ge ei­ner funk­tio­nie­ren­den Ge­sell­schaft ist und dass ech­te Kom­mu­ni­ka­ti­on hel­fen kann, Kon­flik­te fried­lich zu lö­sen und de­mo­kra­ti­sche Pro­zes­se zu stär­ken. Eng da­mit ver­bun­den ist sein Kon­zept der Öf­fent­lich­keit, das be­schreibt, wie wich­tig freie und of­fe­ne Dis­kus­sio­nen in der Ge­sell­schaft sind, da sie po­li­ti­sche Mei­nun­gen for­men und so­mit di­rek­ten Ein­fluss auf De­mo­kra­tie und ge­sell­schaft­li­che Ent­schei­dun­gen ha­ben.

Sei­ne Theo­rien ste­hen in en­gem Zu­sam­men­hang mit den An­sät­zen der Frank­fur­ter Schu­le, die sich kri­tisch mit Ge­sell­schaft und Macht auseinandersetzt.Die Frank­fur­ter Schu­le be­zeich­net eine Grup­pe von Phi­lo­so­phen, die sich ab den 1920er-Jah­ren am In­sti­tut für So­zi­al­for­schung in Frank­furt am Main zu­sam­men­schlos­sen. Ihr Ziel war es, die Ge­sell­schaft nicht nur zu be­schrei­ben, son­dern auch kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und zu ver­ste­hen, wie Macht, Wirt­schaft und Kul­tur das Le­ben der Men­schen be­ein­flus­sen. Ge­grün­det wur­de sie im Jahr 1923 in Frank­furt am Main und zählt zu den ein­fluss­reich­sten Strö­mun­gen der So­zi­al­for­schung. Wäh­rend der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus er­leb­te sie je­doch eine star­ke Un­ter­drückung: Die Ar­beit der Grup­pe wur­de als ‚»staats­feind­lich« ein­ge­stuft und vie­le Mit­glie­der wa­ren von jü­di­scher Her­kunft. Des­we­gen wur­de be­reits 1933, kurz nach der Macht­er­grei­fung der Na­tio­nal­so­zia­li­sten, das In­sti­tut ge­schlos­sen.

In­fol­ge­des­sen muss­ten, vie­le Ver­tre­ter der Frank­fur­ter Schu­le ins Exil flie­hen und wa­ren dazu ge­zwun­gen un­frei­wil­lig ihr Hei­mat­land zu ver­las­sen, um in ei­nem an­de­ren Land zu le­ben. Zu­nächst flo­hen sie in ver­schie­de­ne eu­ro­päi­sche Län­der, be­vor sie schließ­lich in die USA ka­men. Dort ar­bei­te­ten sie eng mit Uni­ver­si­tä­ten zu­sam­men und setz­ten ihre For­schung fort. In die­ser Zeit be­schäf­tig­ten sie sich be­son­ders in­ten­siv mit Fra­gen rund um Fa­schis­mus, Pro­pa­gan­da und die Ur­sa­che da­für, war­um Men­schen an­fäl­lig für rechts­extre­mi­sti­sche Ideo­lo­gien sind.

Nach dem zwei­ten Welt­krieg kehr­ten ei­ni­ge Mit­glie­der wie­der nach Deutsch­land zu­rück und bau­ten die Schu­le neu auf. Zu den wich­tig­sten Ver­tre­tern der er­sten Ge­ne­ra­ti­on zäh­len Max Hork­hei­mer, Theo­dor W. Ador­no und Her­bert Mar­cuse. In der zwei­ten Ge­ne­ra­ti­on präg­ten, vor al­lem Jür­gen Ha­ber­mas und Axel Hon­neth die Wei­ter­ent­wick­lung. Auch heu­te hat die Frank­fur­ter Schu­le eine wich­ti­ge Be­deu­tung für uns. Ihre An­sät­ze ha­ben vie­le mo­der­ne The­men be­ein­flusst, ins­be­son­de­re die Me­di­en­kri­tik. Das Kon­zept der »Kul­tur­in­du­strie«‘ lässt sich heu­te bei­spiels­wei­se auf so­zia­le Me­di­en und Al­go­rith­men über­tra­gen und hilft zu ver­ste­hen, wie Platt­form ge­zielt un­se­re Auf­merk­sam­keit an sich bin­den.

Au­ßer­dem be­schäf­tigt sich die Frank­fur­ter Schu­le mit Macht­struk­tu­ren, Ideo­lo­gien und so­zia­le Un­gleich­hei­ten. Ihr zen­tra­les Ziel ist die Be­frei­ung des Ein­zel­nen von Un­ter­drückung so­wie die Schaf­fung ei­ner ver­nünf­ti­ge­ren und freie­ren Welt. Gleich­zei­tig warnt sie da­vor, blind an Fort­schritt und Tech­nik zu glau­ben. Sie be­haup­ten, dass tech­ni­sche Ent­wick­lun­gen nicht au­to­ma­tisch zu mehr Frei­heit füh­ren, son­dern auch dazu bei­tra­gen, dass Men­schen ih­ren Ver­stand nur noch nut­zen, um die Welt und uns selbst ef­fi­zi­en­ter zu ge­stal­ten, statt die le­bens­wer­ter zu ma­chen.

Ins­ge­samt zeigt sich, dass so­wohl Jür­gen Ha­ber­mas als auch die Frank­fur­ter Schu­le bis heu­te ei­nen wich­ti­gen Ein­fluss auf un­ser Ver­ständ­nis von Ge­sell­schaft, Kom­mu­ni­ka­ti­on und De­mo­kra­tie ha­ben. Ihre Ideen hel­fen da­bei, ak­tu­el­le Ent­wick­lun­gen kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und die Be­deu­tung von frei­em Aus­tausch und ra­tio­na­lem Den­ken zu er­ken­nen.

„Par­tei­en, die dem Rechts­po­pu­lis­mus Auf­merk­sam­keit statt Ver­ach­tung wid­men, dür­fen von der Zi­vil­ge­sell­schaft nicht er­war­ten, dass sie rech­te Pa­ro­len und rech­te Ge­walt äch­tet.“ — Jür­gen Ha­ber­mas

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In un­se­rer Ru­brik »GE­flü­ster« wer­den aus­schließ­lich Bei­trä­ge aus Rei­hen un­se­rer wun­der­ba­ren Schü­le­rin­nen und Schü­ler ver­öf­fent­licht. Gro­ßer Dank geht hier­bei an Nilü­fer Şa­hin, die sich für die Ko­or­di­na­ti­on die­ser Bei­trä­ge so­wie die Schü­ler­re­dak­ti­on ver­ant­wort­lich zeigt und auch die an­schau­li­chen PDFs er­stellt, die un­ter je­dem Bei­trag her­un­ter­ge­la­den wer­den kön­nen.

Aus­zug aus der ge­setz­li­chen Schul­ord­nung (BASS): Schü­ler­zei­tun­gen fal­len nicht un­ter die Ver­ant­wor­tung der Schu­le, son­dern ge­hö­ren zum pri­va­ten Tä­tig­keits­be­reich der Schü­le­rin­nen und Schü­ler. Dar­aus folgt, dass für Schü­ler­zei­tun­gen nicht der für die Schu­le als öf­fent­li­che Ein­rich­tung gel­ten­de Grund­satz der Un­par­tei­lich­keit (§ 2 Ab­satz 8 SchulG) gilt. In Schü­ler­zei­tun­gen kann auch zu po­li­ti­schen Ta­ges­fra­gen Stel­lung ge­nom­men und Par­tei er­grif­fen wer­den. Auch das für die Schu­le gel­ten­de Wer­be­ver­bot (§ 99 Ab­satz 2 SchulG) gilt nicht für Schü­ler­zei­tun­gen, so dass sie auch An­zei­gen Au­ßen­ste­hen­der ent­hal­ten kön­nen.