Das Stadtmalerprojekt der GEsamtschule Waltrop – GElebte Kunst, GElebte Bildung
Seit über drei Jahrzehnten ist das Stadtmalerprojekt ein besonderes Aushängeschild der Stadt Waltrop und der GEsamtschule Waltrop. Was 1994 begann, hat sich zu einem einzigartigen Zusammenspiel von Kunst, Schule und Stadtgesellschaft entwickelt. Zwar existierten in Deutschland temporär Stadtmalerformate – aktuell wird jedoch nur in Bremervörde ein kommunal organisiertes Stadtmalerprojekt regelmäßig umgesetzt – gerade dieser Vergleich macht die Besonderheit Waltrops erst sichtbar: Keine andere Stadt und Schule in Deutschland lädt seit über 30 Jahren kontinuierlich nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler ein und bindet deren Arbeit fest in Unterricht, Schulkultur und Stadtgesellschaft ein. In Umfang, Kontinuität und pädagogischer Qualität ist das Waltroper Stadtmalerprojekt damit bundesweit einzigartig. Dieses außergewöhnliche Format zeigt exemplarisch, wofür die GEsamtschule Waltrop steht: individuelle Förderung, kreative Leistungsentwicklung, gelebte Vielfalt und gesellschaftlich relevante Bildung.

Tragende Säulen des Erfolgs: Engagement, Professionalität und Herz
Dass dieses Projekt seit so vielen Jahren gelingt, ist vor allem der engagierten Arbeit der beteiligten Lehrkräfte zu verdanken. Besonders Anja Souissi, langjährige Projektkoordinatorin, verbindet organisatorische Kompetenz, fachliche Expertise und pädagogisches Geschick. Sie ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, mit professionellen Künstlern in realen Kunstprozessen zu arbeiten – nicht im Museum, sondern mitten im schulischen Leben.
Stadtmaler 2026/27: Jo Scholar
Für die kommenden zwei Jahre wurde gemeinsam mit der Projektleitung der Künstler Jo Scholar ausgewählt. Der in Telgte geborene Künstler, der bereits in Italien, Österreich und zahlreichen deutschen Städten gewirkt hat, bringt ein außergewöhnlich breites Spektrum künstlerischer Erfahrungen mit – von Ausstellungen über Stipendien bis hin zu ungewöhnlichen Arbeitsorten wie psychiatrischen Einrichtungen oder anatomischen Instituten. Für ihn sind Waltrop und die Schule jedoch Neuland – ein Perspektivwechsel, der ihn besonders reizt. Bereits im Herbst 2025 besuchte er Schule und Stadt, führte intensive Gespräche mit Anja Souissi und Kurator Michael Ogiermann und entwarf ein ambitioniertes zweijähriges Vorhaben. Sein erster sichtbarer Beitrag hängt seit November 2025 auf dem Schulhof: „Ein Käfig ging einen Vogel suchen.“ Diese Kafka-Paraphrase eröffnet vielfältige Räume für Interpretation, Diskussion und kreative Auseinandersetzung.

Kunstunterricht, der lebendig wird
Seit einigen Wochen arbeiten Kurse aus Kunst, Darstellen & Gestalten, BoPu sowie Gruppen aus dem Philosophieunterricht mit Scholars Impuls. Die Jugendlichen sprechen nicht nur über Kunst – sie gestalten sie. Sie entwickeln eigene Ideen, visualisieren Gedanken, erhalten professionelle Rückmeldungen und erleben sich selbst als aktive Kunstschaffende. Das Projekt geht weit über klassischen Unterricht hinaus: Es schafft echte Anlässe für künstlerisches Arbeiten und ermöglicht Schülerinnen und Schülern aller Hintergründe den Zugang zu anspruchsvoller professioneller Kunstpraxis.

Wenn Zehntklässler zu Lehrenden werden – ein beeindruckendes Beispiel
Wie stark das Stadtmalerprojekt wirkt, zeigt sich momentan im BoPu HuG: Die Zehntklässlerinnen Rüya Tunc, Isabella Beermann und Lykka Gill übernehmen eigenständig Unterricht für die Lernwerkstatt des 5./6. Jahrgangs. Mit bemerkenswerter pädagogischer Souveränität, klarer Struktur, fachlichem Know-how und einer angenehmen Strenge führten sie ihre Gruppe in das Stadtmalerthema ein. Sie präsentierten eigene Skizzen und Entwürfe, erklärten Gedankenwege und eröffneten den Jüngeren so einen authentischen Zugang zu Kunst. Bereits im ersten Schulhalbjahr hatten sie Erfahrungen in der Lernwerkstatt gesammelt – und diese Routine war spürbar: Ihre Stunden sind lebendig, motivierend und beeindruckend professionell geführt. Anja Souissi, die die Arbeit beobachtete, zeigte sich sichtbar begeistert von der Ruhe, Kompetenz und Echtheit, mit der ihre drei Zehntklässlerinnen unterrichteten. Die jüngeren Schülerinnen und Schüler reagierten hoch motiviert: Das Unterrichtsgespräch führte zu originellen Assoziationen, Ideen und ersten bildnerischen Entwürfen – ein gelungener Start in die gemeinsame Stadtmaler-Projektphase von Zehnern, Fünfern und Sechsern.

Ausblick: Schon in der kommenden Woche wird Stadtmaler Jo Scholar im Atelier mit den Schülerinnen und Schülern arbeiten. Er freut sich darauf, erste Entwürfe zu sehen, Gespräche zu führen und die Gedanken der jungen Kunstschaffenden kennenzulernen. Für ihn stehen – ganz im Sinne seines Ansatzes – die Bilder selbst und die Menschen dahinter im Mittelpunkt.
Fazit: Das Stadtmalerprojekt der GEsamtschule Waltrop ist weit mehr als ein kulturelles Ereignis: Es ist ein lebendiges Bildungsprojekt, das Potenziale stärkt, Chancen eröffnet und Kunst auf einzigartige Weise in die Realität von Schülerinnen und Schülern holt. Waltrop zeigt, wie Kunst, Schule und Stadtgesellschaft zusammenwirken können – und warum dieses Projekt seit über 30 Jahren etwas ganz Besonderes ist.

