Während an der GEsamtschule Waltrop der Abiturjahrgang 2026 – aktuell der einzige Abijahrgang der Stadt – mitten in der Prüfungsphase steckt, stellt sich für viele eine Frage mit wachsender Dringlichkeit: Was wird aus uns nach dem Abi?
Die Antworten darauf sind selten eindeutig. Lebenswege verlaufen nicht mehr linear, Entscheidungen müssen hinterfragt, neu getroffen, manchmal auch korrigiert werden. Genau hier setzt die Reihe GEstartet an. Sie erzählt von ehemaligen Schülerinnen und Schülern unserer Schule, die ihren eigenen Weg gegangen sind – überraschend, individuell, manchmal über Umwege, aber stets selbstbestimmt.
Das Beispiel von Clarissa Bußmann, Abiturientin des Jahrgangs 2021, zeigt genau das: Ein Weg, der nicht feststand, der sich entwickelt hat – und der heute klare Perspektiven bietet. Ihre Entscheidung für die Ausbildung zur Binnenschifffahrtskapitänin macht deutlich, dass Erfolg viele Gesichter hat. Und dass es vor allem darauf ankommt, sich selbst ernst zu nehmen, Möglichkeiten zu erkennen und mutige Entscheidungen zu treffen.

Clarissa Bußmann – Zwischen Hafenroutine und großer Fahrt
Wenn man Clarissa Bußmann heute trifft, merkt man schnell: Sie ist eine, die ihren Weg gefunden hat. Klar, aufmerksam, bodenständig – und kurz davor, ihre Ausbildung zur Binnenschifffahrtskapitänin abzuschließen. Ihr Weg dorthin begann vor einigen Jahren an der GEsamtschule Waltrop, wo sie 2021 ihr Abitur machte. Die Zeit dort beschreibt sie rückblickend als „eine gute Grundlage, um auszuprobieren, was zu mir passt“.
Vom Chemiestudium zur Spurensuche am Wasser
Nach dem Abschluss entschied sich Clarissa zunächst für ein Chemiestudium – fachlich spannend, aber nicht das Umfeld, in dem sie bleiben wollte. „Mir fehlte das Leben um mich herum“, sagt sie. Ein Wechsel in den Einzelhandel brachte mehr Kontakt, mehr Dynamik – aber weiterhin nicht die berufliche Heimat, die sie suchte. Was Clarissa damals nicht ahnte: Der entscheidende Hinweis lag täglich neben ihr, auf ihrem Fahrradweg entlang des Kanals. Abends zogen Schiffe vorbei, ruhig, kraftvoll – und hinterließen Fragen. „Irgendwann wollte ich wissen: Wer arbeitet da eigentlich? Und wie kommt man auf so ein Schiff?“
Ein Berufsfeld, das nicht automatisch offensteht
Die Binnenschifffahrt ist ein Bereich, der lange eher intern funktionierte – familiär, traditionsgebunden, praktisch, wenig öffentlich sichtbar. Für eine Frau ohne maritime Vorgeschichte ist der Einstieg möglich, aber nicht selbstverständlich. „Ich hatte das Gefühl, in eine Welt hineinzuwollen, die sich selbst genug ist“, beschreibt sie. „Da braucht man Ausdauer.“ Genau die zeigte Clarissa – und fand schließlich eine Reederei, die ihr den Einstieg in die Ausbildung in der Binnenschifffahrt ermöglichte.

Was man als zukünftige Binnenschifffahrtskapitänin können muss? Heute, kurz vor dem Abschluss ihrer Kapitänsausbildung, kann Clarissa klar benennen, was der Beruf verlangt:
- Verantwortung für Schiff, Ladung und Menschen
- sichere Navigation durch Flüsse, Kanäle und Schleusen
- technisches Verständnis und Maschinenkunde
- Organisation an Bord, Kommunikation mit Häfen und Behörden
- und: Niederländisch – im Berufsalltag unverzichtbar
Ihr Fahrtgebiet reicht von der Rhône bis zur Donau – „auf Strecke“, wie sie sagt.
Arbeiten in einer eigenen kleinen Welt – und das finanziell sehr attraktiv
Jugendliche sind oft überrascht, wenn sie hören, wie gut bezahlt die Branche ist.
Clarissa formuliert es pragmatisch: „Während du an Bord bist, zahlst du nichts. Essen, Unterkunft – alles inklusive. Und der Lohn ist wirklich stark.“ Die Binnenschifffahrt bietet:
- hohe Einstiegsgehälter bereits während der Ausbildung,
- kaum laufende Kosten im Bord-Alltag,
- tariflich geregelte Zuschläge,
- und langfristig sichere, gut bezahlte Arbeitsplätze
Dazu kommen Arbeitszeitmodelle, die echte Freizeit ermöglichen:
- 6 Tage Arbeit, 4 Tage frei
- 1 Woche Schiff, 1 Woche frei
- oder Clarissas Favorit: 2 Wochen auf dem Schiff, 2 Wochen frei
„Man verdient gut – und man hat richtig freie Zeit“, sagt sie. Für viele junge Menschen ist das eine äußerst attraktive Kombination.
Lernen, wo die Manöver zuhause sind
Aktuell arbeitet Clarissa im Duisburger Hafen bei Thyssen-Krupp. Dort fährt sie täglich Manöver, gewinnt Routine und Sicherheit – ideale Vorbereitung, bevor sie wieder „auf Strecke“ geht.
Nachwuchs gesucht – und Clarissa setzt sich dafür ein
Die Binnenschifffahrt steht vor einer Herausforderung: Es gibt viele offene Stellen, aber zu wenig Nachwuchs – trotz guter Verdienstmöglichkeiten und sicherer Berufsperspektiven. Clarissa möchte das ändern. „Viele wissen gar nicht, dass es diesen Beruf gibt – oder wie gut es sich damit leben lässt.“ Deshalb engagiert sie sich bereits jetzt für junge Interessierte, besonders aus den Jahrgängen 10 und 13.
Interesse? Der nächste Schritt ist ganz einfach
In wenigen Wochen schließt Clarissa ihre Ausbildung zur Binnenschifffahrtskapitänin ab. Schon jetzt begleitet sie neue Auszubildende, bietet Einblicke in Hafenalltag und Bordleben und öffnet Türen zu Schnupperpraktika. „Kommt vorbei, wenn ihr neugierig seid“, sagt sie. „Manchmal merkt man erst unterwegs, was wirklich zu einem passt.“ Wer Interesse hat, kann sich im BOB der GEsamtschule Waltrop melden – wir stellen den Kontakt her.

