Noah Niehues und sein Weg zurück an die GE
Viertel vor acht auf dem Parkplatz der GEsamtschule Waltrop. Stimmen, Schritte, der vertraute Beginn eines Schultages. Ein silberner A3 hält, die Tür öffnet sich, und ein junger Mann steigt aus. Er wirft einen kurzen Blick zum Hauptgebäude – ein Blick, der Vertrautheit verrät. Ein Ort, der ihn geprägt hat. Und ein Ort, an den er nun als Kollege zurückkehrt. Noah Niehues, Abiturient des Jahrgangs 2023, seit 2025 Teil des Kollegiums. Einer, der die Schule zwar verlassen hat, sie aber nie wirklich hinter sich ließ. Und einer, der etwas Besonderes ist: Noah ist der erste ehemalige Schüler, der als Lehrer an die GE zurückkehrt.

Ein früher Rückkehrer
Viele ehemalige Schülerinnen und Schüler kommen irgendwann wieder an die GE – zu Veranstaltungen, als Partner, als Eltern. Doch dass jemand nur zwei Jahre nach dem Abitur wieder täglich durch die Türen der Schule geht, diesmal als Lehrkraft, ist neu. Mitten im Lehramtsstudium wagt Noah den Schritt in den Klassenraum. Während er in Münster Geschichte und Sozialwissenschaften studiert, unterrichtet er in Waltrop bereits selbst. Ein Perspektivwechsel, der zeigt, wie eng die Verbindung zwischen Schule und Schülern sein kann, wenn man hier groß geworden ist.

Zwischen Hörsaal und Klassenraum
Montags und freitags steht Noah an der GE vor Klassen, an den übrigen Tagen pendelt er zwischen Dortmund, Münster und Waltrop. A2, A43, Kilometer um Kilometer. Dazwischen Seminare, Konferenzen, Elterngespräche, Klausuren, Unterrichtsvorbereitung. Zu Hause stapeln sich Mappen auf dem Küchentisch – korrigiert, sortiert, bewertet. Parallel dazu lernt Noah für eigene Prüfungen. Verantwortung, die früh beginnt. Arbeit, die den Alltag bestimmt. Und eine Entscheidung, die er bewusst getroffen hat. Arbeiten gehört für ihn ohnehin dazu, seit er 17 ist – erst als Kellner, heute als Student und Nachwuchslehrkraft. „Ich habe mir alles selbst erarbeitet“, sagt er. Die erste Gitarre. Den Audi A3. Und nun diesen Weg, der ihn fordert und trägt.
Werte, die bleiben
Wenn Noah heute Unterricht vorbereitet, denkt er an diejenigen, die ihn selbst begleitet haben: Benedikt Thiäner, Carolin Palm, Eva Grafe, Susanne Epstein, Andrea Schweitzer. Lehrkräfte, die für ihn mehr sind als Namen – sie sind Vorbilder. Neben dem Studium engagiert er sich politisch und gesellschaftlich, macht Musik, treibt Sport, pflegt Freundschaften. Viel? Ja. Aber für ihn gehört es zusammen. „Das Wesentliche ist das Lernen – egal in welcher Rolle.“ Und das Miteinander. Werte, die er aus der GE mitgenommen hat. „Ich hatte dort immer verdammt gute Lehrerinnen und Lehrer. Wirklich immer? Ja – zu 98 Prozent.“ Ein Satz, der bleibt. Und einer, der ihn antreibt, es selbst genauso gut zu machen.
Der Schüler, der streitbar war – der Lehrer, der nah dran ist
Schon als Schüler mischte Noah mit: streitbar, engagiert, kreativ. Schülersprecher, Initiator nachhaltiger Projekte, jemand, der Verantwortung übernimmt. Heute begegnet man ihm als Kollegen – auf dem Hof, im Klassenraum, im Gespräch. Nah dran an den Jugendlichen, nah dran an ihrem Alltag. Und langsam wird aus dem ehemaligen Schüler ein Vorbild.
Wohin der Weg führt
Ob er nach Master und Referendariat bleibt, weiß heute niemand. Noah selbst hat einen Wunsch: wiederkommen. Richtig wiederkommen. Nicht nur montags und freitags zwischen A2 und A43, sondern dauerhaft. Um zu denen zu gehören, die begleiten, die Chancen eröffnen, die junge Menschen stark machen. Ein Weg zurück – und vielleicht ein Weg nach vorn. Für ihn. Und für die GE.

